Zulassung eines Lada 4x4 2131 aus einem Drittland

Hier könnt ihr Fragen und Antworten zum Thema
TÜV stellen.
Aber denkt dran auch wenn es so ausschaut das
es der TÜV erlaubt, entscheidet immer noch der
Prüfer darüber !

Moderator: gcniva

Zulassung eines Lada 4x4 2131 aus einem Drittland

Beitragvon FlexiBexi » 10. Februar 2018, 01:24

Hallo alle zusammen,

nachdem ich » hier bereits berichtete, wie mein 2131er den Weg nach Deutschland gefunden hat, möchte ich dem Wunsch vieler von Euch entsprechen und meine Fortsetzungsgeschichte weiterschreiben. Das nächste Kapitel ist natürlich die Zulassung hier in Deutschland. Da das ja eigentlich nicht mehr zur Vorstellung gehört, habe ich den Thread gewechselt. Ich hoffe, das verwirrt Euch nicht zu sehr - es dient im Wesentlichen der Thementreue und Ordnung des Forums. :-)


Noch vor Beginn der Recherche (um überhaupt ein Auto zu finden) telefonierte ich das erste Mal Anfang November 2017 mit der Zulassungsstelle. Ich stellte meinen Plan dar und fragte, wie das mit Zulassung so aussähe. Erste Aussage war: "Na - wenn Sie mir ein CoC-Papier bringen, lasse ich Ihnen das Ding zu. Coole Aktion, übrigens! ... Ansonsten eben Einzelabnahme. Wenn Sie dat Ding hierher geholt bekommen, dann kriegen wir das auch zugelassen." Na - das war doch recht motivierend und so ging die Suche los.
Das russische mobile.de heißt drom.ru und man kann dort nur alle Infos lesen, wenn man eine russische Handynummer hat, auf die Verifzierungs-SMS gesendet werden. Russischer Gebraucht- (und zum Teil auch Neu-) -wagenhandel ist nämlich durchaus hie und da etwas ... sagen wir: dubios. Ich also zunächst eine russische SIM-Karte über eBay besorgt, damit ich dort die Infos freischalten kann. So bekam ich raus, wo überhaupt 40th-Anniversary-Nivas zu kaufen sind. Über lada.ru konnte man dann verifizieren, ob es ein offizieller Lada-Händler ist.
Nicht alle Händler waren kooperativ - wir waren in Kontakt mit Händlern aus Pjatigorsk, Magnitogorsk, Woronesh, Toljatti und Kirov bis wir dann den Händler in Smolensk gefunden haben, der zudem ja auch geografisch sehr günstig liegt. Dieser war freundlich, kooperativ, telefonisch gut erreichbar und offenbar zu allen Schandtaten bereit. Prima - genau so einen brauchten wir! 8) Er reservierte mit der Anzahlung am 25.12.2017 das Fahrzeug mal locker bis zum 15.01.2018 und gab zu verstehen, dass er es uns nicht übel nimmt, wenn's etwas länger dauert. Mein russischer Kontaktmann berichtete, dass sich am gleichen Tag wohl auch noch ein Russe bei dem Händler gemeldet hatte, der das Auto ebenfalls gern kaufen wollte. "Nee sorry - der ist schon reserviert." (Dazu muss man wissen: In Russland üblich sind drei Tage von Anzahlung bis Vollzahlung und nach der Vollzahlung hat man das Fahrzeug binnen sieben Tagen abzuholen.) So hatten wir Zeit, alles vorzubereiten.

Aus Russland mitgebracht habe ich dann

  • Kaufvertrag,
  • russischen Fahrzeugpassport,
  • beglaubigte Kopie der zum Fahrzeugpassport passenden russischen Typgenehmigung TC RU E-RU.MT02.00271.P4.

Sämtliche dieser Dokumente hatte ich mir als Scan bereits zuvor (Dezember 2017) vom russischen Händler per E-Mail schicken lassen. Hauptproblem ist hierbei natürlich, dass das Fahrzeug laut russischer Norm und Typgenehmigung nur Euro 5 erfüllt, in der EU aber auf Grund des Baujahres 2017 Euro 6 erfüllen muss. Dies war mir bereits klar, als ich den Kaufvertrag "gelesen" (alles russisch / kyrillisch - kann ich ja nicht...) hatte - auch da stand die Abgasnorm schon drin.

Also war klar, dass Zulassung ein Thema wird. Zudem verdichtete sich, dass es kein CoC-Papier geben kann (da das Fahrzeug nun mal in Übereinstimmung mit der russischen und nicht mit der europäischen Typgenehmigung gebaut wurde). Ich telefonierte also mit unserer Zulassungsstelle und der Dekra. So erfuhr ich, dass die Dekra in Dessau ein Zentrum ( » https://importcertificate24.com ) für die Anerkennung fremder Genehmigungen betreibt - eine gute Adresse für alle, die ein Auto aus Drittländern importieren möchten; also auch alte US-Schlitten oder irgendein japanisches Sondermodell, oder, oder, oder. Die Damen und Herren dort sind durchaus freundlich und kooperativ. Auf meinen Anruf hin schaute der Mitarbeiter sofort in seine Datenbank und stellte schon mal fest, dass man den 2131er zumindest schon mal gesehen hat. Es folgte eine Auflistung, welche Dokumente ich beibringen sollte. Neben der russischen Typgenehmigung sollten dies Fotos aller Typenschilder und Einprägungen (Karosse, Motor), eine Komplettaufnahme von vorn links und der Kfz-Passport sein. Der Händler fertigte mir vorab die benötigten Fotos, so dass ich der Dekra am 11.01.2018 - noch bevor ich das Auto abholen gefahren bin - die geforderten Dokumente liefern konnte.
Nach kurzem Gegencheck sicherte mir die Dekra am Telefon zu, dass eine Zulassung in Deutschland relativ problemlos möglich sei, wenn das Abgasverhalten für Euro 6 nachgewiesen werden kann. Der entsprechende Test muss am Lausitzring im Labor des Dekra-Test-Zentrums abgefahren werden und wird 1.200 EUR + MwSt. kosten.

Über Lada Deutschland wurde mir mitgeteilt, in welchen Bauteilen (Kat und Motorsteuergerät) sich der Euro-6- vom Euro-5-Niva unterscheidet. Damit hatte ich erst einmal alle Informationen zusammen, um das Risiko abschätzen zu können. Hielt ich für beherrschbar - deswegen bin ich dann los und habe das Fahrzeug geholt und verzollt - die Geschichte kennt Ihr ja bereits. ;-)

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das mit den anderen Tests gar nicht so sicher ist, wie die Dekra zunächst mitteilte. :evil: Insbesondere ist den Kollegen nun aufgefallen, dass eine der Prüfinstitutionen, die in der russischen Typgenehmigung aufgeführt ist, möglicherweise nicht für die EU zertifiziert ist. Zumindest steht sie nicht auf der Liste von akkreditierten Unternehmen, die der Dekra vorliegt. Hier klären wir im Moment noch, ob das Prüfinstitut also für uns hier verwertbare Daten produziert hat oder nicht. (Es geht um Bremsen, Geräuschemissionen und die elektromagnetische Verträglichkeit.) Sollten die Daten nicht verwertbar sein, müssen die Tests nachgefahren werden.
Weiterhin offen ist die Euro-6-Geschichte. Mittlerweile frage ich mich, was da überhaupt geändert werden muss - denn die Grenzwerte sind weitgehend identisch zu denen bei Euro 5; jedoch hat sich der Fahrzyklus geändert. Das ist alles etwas undurchsichtig. Allerdings gibt es auch hier schon Ideen, Angebote und erste Hilfen aus der Community. An dieser Stelle schon mal vielen Dank dafür! Bild
Ich werde hier weiter berichten, wie die Geschichte mit der Zulassung weitergeht. Über Hinweise - gern auch per PN - und Daumendrücken freue ich mich natürlich weiterhin. uuuu

Beste Grüße, FlexiBexi
Lada Niva 2131, Bj. 2017, 40th-Anniversary (No. 1565/1977)
FlexiBexi
 
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Re: Zulassung eines Lada 4x4 2131 aus einem Drittland

Beitragvon Fisch » 10. Februar 2018, 07:50

Lieber FlexiBexi,

- Danke für das ausführliche Teilen Deiner interessanten Geschichte!
- Unser fast 1-stündiges Telefongespräch gestern war sehr kurzweilig!
- Natürlich drücke ich Dir weiter von ganzem Herzen die Daumen! omm
üiiii

- Respekt, Du hast Dich ja doch viel mehr vorbereitet - bevor Du deinen tollen Plan umgesetzt hast.
- Ich hatte das damals beim Import meines UAZ Busses über CZ nicht getan.
- Ich hatte mich nur umfassend informiert und auf folgende gesetzliche Regelung vertraut: ö.,

"Bei  Fahrzeugen,  die  innerhalb  des  europäischen  Wirtschaftsraums  bereits  zugelassen  waren,  für  die aber  kein  CoCPapier  vorhanden  ist,  kann  die  Zulassungsbehörde  die  Zulassung  in  Deutschland  nicht ablehnen,  wenn  ein  entsprechendes  ausländisches  Zulassungsdokument  vorgelegt  wird. [...] Ein  zusätzlichen  Gutachten  nach  §  21  StVZO ist  in  diesem  Fall,  seitens  der  Zulassungsbehörde,  nicht  zu  fordern." 8)

- Wie so oft, sah die Realität dann doch ganz anders aus, und kostete mich echt Nerven.
- Denn die Berliner Behörden (inkl. Dekra) haben auf einem erneuten Vollgutachten bestanden.
- 4 Dekra-Kontakte haben den "Fall" komplett abgelehnt! Erst mit dem 5. ging es schwierig weiter. :roll:

- Ich habe dabei nicht nur viel "technisches" gelernt, sondern auch sehr viel "psychologisch-diplomatisches".
- Der Mensch ist eben lieber in seiner "Komfortzone", und alles was vom "Standard" abweicht, macht erstmal Angst.
- Eingefahrene Prozesse helfen auch, dass die Menschen Eigenverantwortung ablehnen oder verlernen... o--.

- Und dabei hatte ich doch den Weg über CZ gewählt, um mal von der EU profitieren zu können.
- Offensichtlich ist die EU aber (noch) nicht in allen Amtszimmern angekommen.
- Also habe ich die Zeit genutzt und viele EU Vorschriften selbst studiert. :idea:

- Neben Kleinigkeiten, die ich umbauen musste, Papieren die ich (teuer) übersetzen musste, wurde mir €6 auch zum Problem.
- Beim Studium der originalen Richtlinien stieß ich auf die EG Verordnung Nr. 715/2007.
- Hier sind alle Euro Emissionsgrenzwerte festgeschrieben. :!:

- Erkenntnis: Die Grenzwerte sind für Euro-5 und Euro-6 Benzinmotoren wirklich ABSOLUT IDENTISCH.
- Das gilt für Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide (egal ob für PKW "M" oder LKW "N" = markiert)!
- Ich finde das deshalb so krass, weil es (schwarz auf weiß) einfach NICHT STIMMT, was uns suggeriert wird! :shock:

- Hier ist der Beweis: Euro-5 ist genauso "sauber oder dreckig" wie Euro-6 (für PI = Fremdzündungsmotoren):
- Bild
-Bild

- Angeblich hat sich das Messverfahren geändert (hab ich in der Richtline aber nicht gefunden)...
- Warum ich das alles schreibe???
- @FlexiBexi: Ich denke Du brauchst KEIN neues Steuerungsgerät! omm

- Lass Dich nicht unterkriegen und viel Erfolg und Spaß im K(r)ampf mit den Behörden!
- Am Ende hast Du ne ganz besondere Beziehung zu Deinem "neuen Schatz"...
- ... und Du gehst gestärkt hervor (bei mir war das so)! .v.

Lieben Morgengruß,
Fisch
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