Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

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(Federn, Radlager usw.)

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Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon Hipster » 8. Juli 2018, 15:09

Ich starte mit ein paar Infos zum Hintergrund, damit man den Entscheidungsprozess zum Fahrwerksumbau etwas beurteilen kann.
Mein Niva, von Anfang 2017, ist jetzt 1 Jahr und 3 Monate alt und hat 23.000km runter.
Er ist eigentlich kein Alltagsfahrzeug, sondern wird überwiegend als Reisecamper mit Dachzelt genutzt.

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Letztes Jahr u.a. in die Vogesen und ins Trentino in Südtirol. Dieses Jahr bisher nach Österreich und Holland.

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Die nächste große Tour nach Frankreich steht kurz bevor. Ich habe den Niva zwar auch schon in zwei Offroadparks getestet, das überwiegende Einsatzgebiet kann man als Offroadreisecamper bezeichnen. Auf der Tourenliste stehen u.a. Korsika, Sardinien, Pyrenäen,
Westalpen, Schweden, Norwegen….

Obwohl wir nur zu zweit reisen (ich 45, Junior 8Jahre) kommt schon einiges an Gepäck zusammen. inkl. Campingküche und
manchmal noch ein Fahrradträger mit zwei Rädern.
Dieses Jahr gab es dann auch ein neues Dachzelt, aber das ist eine andere Geschichte :)

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Von Anfang an war ich unzufrieden mit dem Fahrwerk in Verbindung mit der Reisezuladung, obwohl ich die Fahreigenschaften und
den Komfort der Seriendämpfer und Federn hervorragend finde. Super Geradeauslauf auf der Autobahn und Kurvenstabilität.
Auch die Fahreigenschaften in den Bergen ist super.

Der erste Schritt, letztes Jahr vor der Reise nach Italien, war der Einbau von höheren Gummis auf den hinteren Federn, um die Zuladung durch das Dachzelt auszugleichen. Trotzdem hing der Wagen mit Gepäck hinten deutlich runter.

Als nächstes startete ich einen Versuch mit den Kombifedern (Härtegrad B) auf der Hinterachse. Diese sind ca. 2cm länger als die Serienfedern. Diese werden ja von vielen genutzt, die mit dauerhafter Zuladung, wie einem Gastank, herumfahren.
Im unbeladen Zustand, mit Dachzelt, war die Hinterachse jetzt auch 2cm höher, was eine leichte Keilform der Silhouette mit sich brachte.
Der erste Reisetest am Vatertag nach Holland zeigte dann aber, dass es eigentlich keine Verbesserung zu den Serienfedern gab, da die Kombifedern, zwar länger, aber auch weicher sind.

Nach einiger Recherche kam ich dann auf Hinterfedern von Kayaba für den Chevy-Niva RA6479. Diese sind genauso lang wie die Serienfedern, aber deutlich steifer. Da sie in Deutschland anscheinend nur in homöopathischen Dosen verkauft werden, dauerte es 1,5 Monate zwei Exemplare von unterschiedlichen Händlern aufzutreiben.
Der Fahrkomfort leidet nicht sehr darunter, wenn man es etwas härter mag.

Trotzdem hatte ich immer wieder das Thema Höherlegung im Kopf, unter anderem auch, um den großen Rädern (BFG T/A 215/75R15)
etwas mehr Platz in den Radhäusern zu geben.
Das Trailmaster Fahrwerk schied für mich aus, erstens da ich nur 3-4cm höher möchte und zweitens, da man doch sehr viel ambivalentes
über die Folgen für den Antriebsstrang liest (u.a. schnell verschleissende Achsmanschetten) und zu harte Fahreigenschaften auf der Strasse.

Schliesslich stieß ich dann auf das Lift-Kit der Firma F-Design aus Russland:
http://f-design.ru/products/lift-komplekt-lada2009
Hiermit kann der Wagen die original Federn und Dämpfer behalten. Die Höherlegung wird mit 40mm angegeben.
Der Hersteller gibt an: „Dieser Lift-Kit reduziert nicht die Lebensdauer der Getriebeteile, die Winkel der Gelenke von Antrieben und Kardan gehen nicht über die Betriebsbereiche hinaus.“

Ich fand das sehr interessant und das finanzielle Risiko hält sich auch in Grenzen, da die Materialkosten nur ungefähr ein drittel des Trailmaster Fahrwerks betragen zzgl. der Einbaukosten. Die Firma Lada-Ems ins Dörpen ist Importeur der F-Design Produkte und ich fragte bei Slawe an,
ob er Lust hätte das F-Design Fahrwerk bei meinem Niva einzubauen, sozusagen als Testwagen.

Grundsätzlich lohnt es sich leider kaum, Anbauteile, die relativ schwer sind, privat aus Russland zu importieren, da die Transportkosten sehr hoch sind. Ich hatte diese Erfahrung schon mal mit einer Sammelbestellung von Schnorcheln von F-Design. So lassen sich zwar die Transportkosten reduzieren, ich würde das ganze aber auf Grund des enormen zeitlichen Aufwands (Zollamt, Verschickung, Mailverkehr…) nicht noch einmal machen,
nur um ein paar Euro zu sparen.

Jetzt endlich der Einbaubericht :)

Hier die komplette Hardware. Positiver Nebeneffekt, es werden verstärkten Spurstangen mitgeliefert.

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Hier sieht man deutlich den Unterschied zu den Serienspurstangen.

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So sehen die Gummis der kurzen Originalspurstangen nach 23.000km aus. BJ 2017!

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An der Vorderachse werden die Federteller durch neue von F-Design ersetzt. Diese passen perfekt, da es anscheinend modifizierte Originalteller sind.
Man erkennt die Erhöhungen an den Verschraubungen. Hier finde ich gut, dass nicht einfach nur Unterleghülsen für die vorhandenen Federteller, wie bei anderen Lift-Kits, verwendet werden, sondern diese extra verschweisst sind und sehr massiv wirken.

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Weiterhin werden an den oberen Traggelenken die mitgelieferten Spacer eingesetzt.

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An der Hinterachse werden die Federteller abgeflext und auf die mitgelieferten Erhöhungen geschweisst.

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Diese werden dann an die Hinterachse geschweisst. Die Passgenauigkeit ist sehr gut und es mussten nur kleine Anpassungsarbeiten vorgenommen werden. Da diese Teile als einzige im unlackierten Rohzustand, wegen des Schweissens, kommen, müssen sie anschliessend noch lackiert werden.

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Selbstverständlich wird an allen Umbauteilen und Stellen nicht mit Mike Sanders gegeizt. :)
Beim Einbau der Kayaba-Federn wurden dann die höheren Gummis wieder gegen die original Gummis ausgetauscht.

gemessen von Mitte Radnabe bis Unterkante Radlauf:
Vor Umbau:
Vorne 45cm , Hinten mit Dachzelt 47cm

F-Design Fahrwerk:
Vorne 49cm, Hinten mit Dachzelt 51cm

Das Ergebnis. Exakt +40mm!

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von links nach rechts:
Turbo-Lada Prototyp al la Slawe mit Kayaba-Fahrwerk
Mein Nessi Niva mit F-Design Fahrwerk
Bronto
5-Türer 4x4 Serie

Da es bei Lada-Ems keinen Achsmessstand gibt, bin ich dann in Köln zur Achsvermessung gefahren. Der Sturz war nach dem Umbau natürlich deutlich positiv.
Zum Glück habe ich beim Reifendienst um die Ecke einen Mechaniker gefunden, der richtig Lust drauf hatte die fummelige Einstellung mit
dem Rausnehmen der Unterlegscheiben am Traggelenk zu machen. Jetzt steht alles gerade und Frankreich kann kommen!

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und freue mich über Fragen. Selbstverständlich gibts auch irgendwann einen Fahrbericht. Die ersten paar hundert Kilometer Autobahn waren sehr unauffällig und vom Gefühl her wie vorher nur höher :) Die Achsmanschetten werde ich im Auge behalten.
Bitte habt Verständnis, dass ich hier keine Informationen über Preise oder Kosten veröffentliche. Der Umbau kostet natürlich schon Geld, ist aber deutlich günstiger als ein Trailmaster Fahrwerk. Slawa freut sich über Anfragen und gibt gewohnt schnell Auskunft.

Viele Grüße aus Köln, Martin

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Re: Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon koppwolle » 8. Juli 2018, 16:39

Dankeschön für den ausführlichen Bericht :o)

Grüße
andrea
NIVA Diesel 1,9 ´97 Rallye-Niva * bei YT * Niva Wiki
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Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon Hirsel2k » 8. Juli 2018, 21:55

Darf ich fragen was das ganze ungefähr gekostet hat?
Gerne per pn...,
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Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon Timmi » 9. Juli 2018, 04:32

Das sieht gut aus. Da hat Lada Ems gute Arbeit gemacht.
Aber was mich persönlich noch viel mehr freut, ganz rechts der, das wird wohl meiner werden :-)
Freundliche Grüße aus dem Moor

Ralf

Lada M2131 Baujahr 2018, mit LPG, Dachgepäckträger, AHK, Klima - bereift mit Grabber AT3 195/80 auf Dotz
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Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon Hipster » 30. Juli 2018, 11:06

Ich kann jetzt den ersten Reiseerfahrungsbericht mit dem dem neuen Fahrwerk geben.
Am Samstag bin ich mit meinem Sohn nach 1200km an der französischen Atlantikküste angekommen.

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Das Fahrverhalten war genauso entspannt und komfortabel, wie vorher.
Auch das Kurvenverhalten ist auch bei höherer Geschwindigkeit nicht schlechter. Die Seriendämpfer vom 2017er sind wirklich sehr gut.
Die Kayaba Federn hinten, gehen mit Beladung wirklich kaum noch in die Knie.

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Das ist das Ergebnis. Zweimal volle Beladung mit Dachzelt. Oben vor dem Umbau mit Kombi Federn. Unten mit F-Design Fahrwerk und Kayaba Federn vom Chevy Niva. Oben zwar mit Fahrrädern, aber unten mit deutlich mehr Reisegepäck.

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Endlich ein richtiger Reisecamper. :)

Schöne Grüße aus Frankreich, Martin

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Re: Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon powl » 15. November 2018, 02:49

Hey wie sind deiner Erfahrungen jetzt nach einer Weile? Hast du noch etwas verä dert? Bist du zufrieden? Würdest du es wieder tun?
Lada Urban, Euro6, BJ2015/EZ2017 - bisher unberührt bis auf den automatischen Kettenspanner
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Ein etwas längerer Einbaubericht zum F-Design Fahrwerk

Beitragvon Hipster » 15. November 2018, 11:41

Meine Erfahrungen sind sehr gut, aber es gibt Optimierungen.

Im Oktober war ich im Offroadpark beim Niva Treffen in Vlotho. Danach stellte ich fest, dass eine Manschette der langen, hinteren Gleichlaufwelle gerissen ist. Ob dieses jetzt auf die Höherlegung oder Bodenkontakt zurückzuführen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Allerdings ist ja von den Fahrwerksexperten hier schon angemerkt worden, dass die neuen Gleichlaufwellen nicht offroadtauglich sind. Zum einen reißen die Manschetten natürlich bei Bodenkontakt und zum anderen reicht die Länge der Schiebestücke nicht aus, um eine Höherlegung im Gelände auszugleichen.
Deshalb habe ich mir eine verstärkte Kardanwelle mit längerem Schiebestück von Beddong besorgt. Diese hat er in seinem blau-weißen Extremumbau getestet. Der Ausbau der Gleichlaufwelle war ziemlich anstrengend, da diese Stehbolzen hat. Selbst im belasteten Zustand ließ sich die Welle nicht einfach herausnehmen, dazu war dann ein Absenken des VTG nötig. Das macht man nicht mal so eben unterwegs im Gelände. Dagegen war die Montage der neuen Kardanwelle ein Kinderspiel. Reinstecken, festschrauben. Auch ein Grund, der für die klassische Kardanwelle spricht. Auch hat es sich gelohnt in ein hochwertiges, teureres Produkt zu investieren. Die neue Welle ist perfekt ausgewuchtet und läuft extrem vibrationsarm. Eigentlich kein Unterschied zur Gleichlaufwelle. Ich habe sogar das Gefühl, dass die neue Welle beim Anfahren, die Kraft besser, direkter überträgt. Aber das kann natürlich Einbildung sein.

Eine weitere Änderung betrifft die Dämpfer. Beddong sagte, dass die Seriendämpfer etwas zu kurz für die Höherlegung seien. Das spielt zwar auf der Straße keine Rolle, aber im Gelände gehen die dann auf Anschlag. Deshalb kommen demnächst vorne und hinten Kayaba Dämpfer vom Chevy Niva rein.
Damit wären dann nur noch die vorderen Federn Serie. Hinten sind ja schon Kayaba Federn drin, um Dachzelt und Reisebeladung auszugleichen.


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